Auch wenn der Winter in den letzten Tagen noch einmal fast ein kleines Comeback gegeben hat, wurde am vergangenen Wochenende bei der Frühjahrslangstrecke in Leipzig die Saison 2026 offiziell eröffnet. Die besten Ruderinnen und Ruderer Deutschlands trafen sich in der Messestadt für die erste Standortbestimmung, um sich bei den Bundestrainerinnen und -trainern zu empfehlen.
Testprogramm an zwei Tagen
Der SC DHfK Leipzig hatte die Regattaorganisation wie gewohnt bestens im Griff, viele Helferinnen und Helfer des Vereins sorgten an Strecke, Steg und in der Halle für reibungslose Abläufe. Bei zunächst frischen vier Grad, aufkommender Sonne und spürbarem Gegenwind im langen Mittelstück der Strecke waren die Bedingungen anspruchsvoll und verlangten den Ruderinnen und Ruderern einiges an Stehvermögen ab.
Run-Row-Run: Coastal-Spezialistinnen und -Spezialisten vorne dabei
Der Run-Row-Run-Test war ein zentrales Element für die Coastal Beach-Sprint-Fraktion. Das Format: 45 Meter Sprint, 750 Meter Ergometer-Rudern und noch einmal 45 Meter Sprint bis zum Buzzer – und das Ganze dreimal, mit jeweils nur 15 Minuten Pause zwischen den Starts.
Aus sächsischer Sicht überzeugten vor allem:
- Sophie Leupold (Pirnaer RV) sicherte sich Platz 2 und zeigte in allen drei Runden sehr konstante Leistungen – ein weiterer Beleg für ihre Klasse nach den Erfolgen bei den Deutschen Coastal-Meisterschaften 2025 und bei der Coastal EM.
- Franz Cherubim (ARV Leipzig) erkämpfte ebenfalls Rang 2. Mit Erfahrungen aus dem American Football bringt er enorme Sprintfähigkeit und die Bereitschaft mit, im Grenzbereich zu arbeiten – Qualitäten, mit denen er sonst auch im Leipzig-Achter der Ruder-Bundesliga für ordentlich Dampf sorgt.
- Franz Werner (Pirnaer RV) komplettierte mit Platz 3 das sächsische Podium und unterstrich einmal mehr seinen Stellenwert im deutschen Coastal-Team.
Bundestrainer Adrian Bretting zeigte sich mit der Organisation sehr zufrieden und blickt bereits auf die nächsten Monate, in denen es für die Coastal-Ruderinnen und -Ruderer darum gehen wird, weitere Wettkampferfahrung bei Regatten, unter anderem in Italien, zu sammeln.
Männer-Zweier ohne: Weichen Richtung U23- und A-Nationalmannschaft
Im Männer-Zweier ohne Steuermann standen mehrere Boote mit sächsischer Beteiligung im Fokus:
- Julian Garth / Simon Schubert (Crefelder RC / RC Germania Düsseldorf) belegten Platz 6 in einem dichten Feld mit gleich drei zeitgleichen Booten – Pflicht erfüllt, nun gilt der Blick der beiden klar der Deutschen Kleinbootmeisterschaft über 2.000 Meter, um sich erneut für internationale Einsätze zu empfehlen.
- Lino Zastrow / Julius Kaim (USV TU Dresden / TVK Essen) ruderten auf Platz 11 und waren damit das zweitschnellste reine U23-Boot. Für Zastrow ist das ein wichtiger Schritt auf dem Weg zurück in den „kleinen Deutschlandachter“, in dem er bereits 2025 saß.
- Carl Sgonina / Max Goede (Dresdner RC / Schweriner RG) folgten auf Rang 12 als drittschnellstes U23-Boot. Sgonina, in seinem letzten U23-Jahr, peilt einen der begehrten WM-Plätze an; nach einem Jahr als Ersatzmann und verpasster Qualifikation 2025 setzt er nun mit einem Wechsel auf Backbord und Training am Bundesstützpunkt Dortmund neue Impulse.
- Konstantin Wetzler / Laurenz Knorr (Dresdner RC / Pirnaer RV) belegten Platz 18. Beide waren im Vorjahr noch A-Junioren, Wetzler zudem mit JWM-Bronze im Achter dekoriert – jetzt geht es darum, sich im Senioren- und U23-Bereich zu etablieren.
- Julius Richard Schüller / Franz Rudolph (ARV Leipzig / Dresdner RC) erreichten Platz 27. Die neue Kombination hat in Leipzig eine erste Standortbestimmung abgegeben; spannend wird, wie sie sich in drei Wochen in München einsortieren wird.
Im Frauen-Zweier ohne fuhren Luise Paulett Wartmann / Selma Ritter (SC Magdeburg / Dresdner RC)bei starker Konkurrenz auf Platz 7 von 17 gemeldeten Booten – eine sehr ordentliche Ausgangsposition, die es bei der Kleinbootmeisterschaft zu bestätigen oder gar zu verbessern gilt.
Einer-Rennen: Vom erfahrenen Männer-Skuller bis zum Junior-B-Titel
Auch in den Einern gab es wichtige Akzente:
- Tom Olbrich (Dresdner RV) belegte im Männer-Einer Platz 21. Nach mehreren Jahren im Riemenbereich ist er nun wieder im Einer unterwegs und sucht im starken Seniorenfeld den Anschluss an die nationale Spitze.
- Felix Thomas Krones (USV TU Dresden) kam im selben Rennen auf Rang 36. Der Juniorenweltmeister im Doppelvierer 2024 und Bronze-Gewinner im Doppelzweier bei der JWM 2025 sammelt in seinem ersten U23-Jahr wertvolle Erfahrung; mit dem Wechsel an den Bundesstützpunkt Hamburg richtet er den Blick klar auf die U23-Weltmeisterschaft.
- Im Juniorinnen-Einer A (JF 1x A) fuhr Mia Laux (SC DHfK Leipzig)auf Platz 13 bei 43 Starterinnen. Nach ihrem Überraschungs-Vizetitel im Einer bei der DJM 2025 und zwei Goldmedaillen beim Baltic Cup in Schweden bleibt das Saisonziel eindeutig die Qualifikation für die Junioren-Weltmeisterschaft – die Rangliste in München wird hier eine erste Vorentscheidung bringen.
Sehr stark präsentierte sich der Junior-B-Bereich:
- Quinn Röhner (USV TU Dresden) gewann den JM 1x B mit über 40 Sekunden Vorsprung – eine Machtdemonstration, die große Erwartungen für die Saison weckt.
- Tim Krisch (Laubegaster RV Dresden) verpasste das Podium mit nur vier Sekunden Rückstand denkbar knapp, bestätigte aber seine Zugehörigkeit zur nationalen Spitze im B-Junioren-Einer.
- Im JF 1x B zeigte Malvine Spieß (RV Triton Leipzig) als beste sächsische Starterin einen guten Auftritt mit Platz 6.
Ein besonderes Ausrufezeichen im Nachwuchs setzte der Junior-Zweier ohne:
Bruno Büttner / Leonard Rothe (Dresdner RC / ARV Leipzig) holten Bronze im JM 2- A und verschafften sich damit eine sehr gute Ausgangslage für die erste Kleinbootüberprüfung der Saison.
Stimmen der Trainerinnen und Trainer und Ausblick
„Die Kombination aus Ergometer-Test und Langstrecke an einem Wochenende ist ein Brett. Die Sportler haben es gut gelöst. Das Battle ist nun eröffnet. Wir sind gespannt, wer sich wie bei den Deutschen Kleinbootmeisterschaften in drei Wochen einsortieren wird“, sagte Bundestrainerin für den Männer-Riemenbereich Sabine Tschäge nach der Testbatterie in Leipzig.
Auch Cheftrainer Marcus Schwarzrock sprach von „guten bis sehr guten Leistungen“ und betonte, dass sich die Neuausrichtung des Trainings auf dem Wasser positiv bemerkbar mache. Nun gelte es, bis München gesund zu bleiben und die gezeigten Leistungen im direkten Kleinbootvergleich zu bestätigen.
Für die sächsischen Ruderinnen und Ruderer war die Kaderlangstrecke Leipzig 2026 damit einmal mehr eine wichtige erste Standortbestimmung mit soliden bis vielversprechenden Ergebnissen. Wir drücken schon jetzt die Daumen für die Deutsche Kleinbootmeisterschaft und Junior-A-Leistungsüberprüfung.
Verwendete Quellen: rudern.de, deutschlandachter.de
Bilder: meinruderbild.de

