Sand, Wind, Wellen, ein enger Bojenkurs und Zuschauer, die mit im Wasser stehen. So präsentierte sich das Coastal Rowing auf dem Steinhuder Meer bei Die Finals 2026. Im Rahmen des Multisport Events wurde die offizielle deutsche Meisterschaft im Beach Sprint ausgetragen. Aus sächsischer Sicht standen dabei vor allem Sophie Leupold, Franz Werner und Franz Cherubim im Mittelpunkt.
Der Beach Sprint ist eine spektakuläre junge Disziplin, die sich seit 2018 international entwickelt und in 2 Jahren in Los Angeles erstmals olympisch wird. Das deutsche Coastal-Rowing-Team hat erst kürzlich schon mal die Bedingungen vor Ort im Trainingslager getestet.
Der Start erfolgt an Land mit einem Sprint zum Boot. Auf einen engen Slalomkurs über 250 Meter geht es im direkten Duell Bord an Bord über die Stecke bis zur Wendeboje. Von dort muss man noch einmal zurück zum Strand alles geben, aus dem Boot springen und zum Zielbuzzer am Strand sprinten.
Für noch mehr Tempo und Spannung wurde die Strecke auf dem Steinhuder Meer auf 300 Meter verkürzt. Zudem war das Wasser sehr flach, wodurch die Laufwege länger wurden. Da kommt es auf jedes Detail an, denn auf dieser Strecke verzeiht niemand Fehler.
Frauen-Einer: Sophie Leupold setzt sich durch
Sophie Leupold (Pirnaer Ruderverein) ließ im Frauen-Einer keine Zweifel an ihrer Klasse aufkommen. In Abwesenheit von Julia Tertünte wurde sie ihrer Favoritenrolle gerecht. Mit einem konzentrierten Auftritt, hervorragender Koordination und der nötigen Portion Entschlossenheit holte sie sich den Titel und bestätigte einmal mehr ihre Rolle als eine der prägenden Athletinnen im deutschen Coastal Rowing.
Ihre Stärke liegt längst nicht nur im schnellen Antritt, sondern auch in der Fähigkeit, sich in engen Rennverläufen zu behaupten. Leupold bringt internationale Erfahrung mit und gehört zu jenen Namen, die in dieser noch jungen Disziplin früh für Kontinuität und Qualität gesorgt haben.
Nach dem Zieleinlauf wirkte die Pirnaerin sichtbar erleichtert. „Ich bin super erleichtert, dass ich das jetzt gerockt habe. Einfach nicht verrückt geworden bin, mein Ding gemacht hab. Und ich den Sieg nach Hause fahren konnte“, sagte Leupold. Besonders in Erinnerung blieb ihr auch die Atmosphäre am Steinhuder Meer: „Die Stimmung ist super. Es haben alle Spaß, geiles Event. Ich bin einfach froh und happy bei dieser Veranstaltung dabei zu sein.“
Männer-Einer: Werner wird Vizemeister
Auch Franz Werner (Pirnaer Ruderverein) war wieder mitten im Geschehen. Der Vorjahressieger musste sich diesmal im Finale geschlagen geben, ließ aber mit seinem Auftritt erkennen, wie reif und abgeklärt er inzwischen in dieser Disziplin unterwegs ist.
Als Sieger der diesjährigen Filippi Trophy ist der 25-Jährige längst mehr als nur ein Talent; er bringt internationale Erfahrung, Rennhärte und das Gespür für die entscheidenden Momente mit. Gerade in einem Format wie dem Beach Sprint, in dem jede kleine Unsauberkeit sofort bestraft wird, zählt genau diese Mischung aus Routine und Aggressivität.
Mix Doppelzweier: Cherubim gewinnt Überraschungsgold
Im Mixed-Doppelzweier entwickelte sich eines der engsten und spektakulärsten Rennen der Finals. Franz Cherubim (ARV zu Leipzig) setzte sich gemeinsam mit Judith Guhse (Rendsburger Ruderverein) gegen das Boot aus Pirna durch und sicherte sich damit den Deutschen Meistertitel in dieser Bootsklasse.
Cherubim kam erst vor wenigen Jahren als Quereinsteiger zum Rudern. Seine Vergangenheit im Rugby ist beim Beach Sprint deutlich spürbar: explosive Antritte, enorme Sprintstärke und die Fähigkeit, in hitzigen Rennphasen noch einmal zuzulegen. Genau das machte den Unterschied in einem Rennen, das bis zur Wende völlig offenblieb und erst auf den letzten Metern klarer wurde.
Cherubim selbst fand nach dem Finale klare Worte: „Richtig schönes Event und dann jetzt noch mal so ein Rennen zu fahren. Es gab viele Aufs und Abs heute. Es läuft halt nicht immer alles gut im Coastal Rowing, aber das Finale war perfekt. Da haben wir noch mal einen rausgehauen.“ Seine Taktik ging vor allem wegen der Flachwasserbedingungen auf: „Wir hatten [bei der flachen Strecke] den großen Vorteil, dass wir schnell rennen können. Damit hatten wir schon am Anfang einen kleinen Vorsprung und den mussten wir nur noch verwalten.“
Auch die Atmosphäre am Steinhuder Meer blieb ihm in Erinnerung: „Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Zuschauer kommen. Dass die alle so herzlich sind. Alle sind interessiert an dem Sport, den die meisten wahrscheinlich noch nicht kennen.“ Das besondere Umfeld der Finals bekam für ihn zusätzliches Gewicht: „Gestern noch beim Triathlon als Zuschauer dabei zu sein, das hat schon ein bisschen Olympia Feeling in Steinhude.“ Und mit Blick auf den Sieg ergänzte er selbstbewusst: „Ich habe die ganze Zeit daran geglaubt. Seit dem letzten Training habe ich gesagt, wir gewinnen.“
Für das Pirnaer Boot um Sophie Leupold und Franz Werner blieb trotz eines beherzten Rennens nur der zweite Platz. Gerade in dieser Bootsklasse wurde deutlich, wie eng das Leistungsniveau im Coastal Rowing inzwischen beieinanderliegt. Kleine Fehler, ein verpasster Schlag oder ein Bojenkontakt können über Sieg und Niederlage entscheiden.
Weitere sächsische Beteiligte
Mit Victoria Hory, Laurenz Knorr und Lilly Waske waren weitere sächsische Athletinnen und Athleten am Steinhuder Meer vertreten. Abseits der Medaillenplätze unterstreicht gerade diese Breite, wie lebendig sich Coastal Rowing in Sachsen entwickelt hat.
Tolle Werbung für das Coastal Rowing
Auch von Bundestrainerseite fiel das Fazit positiv aus. „Die Finals sind ein geniales Event und auch für unsere Disziplin eine großartige Plattform, um sich zu präsentieren. Ich glaube, dass uns das in diesem Jahr sehr gut gelungen ist. Wir freuen uns über die große Aufmerksamkeit, die wir hier vor Ort und insbesondere auch medial erfahren haben. Dadurch konnten wir vielen Menschen einen Zugang zu unserer Sportart ermöglichen und hoffentlich weitere Fans für das Coastal Rowing gewinnen“, sagte er.
Sein Dank richtete sich dabei auch an die Helferinnen und Helfer vor Ort: „Ohne die vielen Helferinnen und Helfer wäre ein so großes Event nicht zu realisieren. Ihnen gilt ein besonderer Dank. Für uns geht es nun mit der Formierung der Nationalmannschaft weiter. Danach freuen wir uns auf die anstehenden internationalen Wettbewerbe, bei denen wir unsere Stärke unter Beweis stellen wollen.“
Verwendete Quelle: rudern.de
Foto Credits: Michel Mittelstädt / @livehoch2

