Die Deutsche Kleinbootmeisterschaft und die Leistungsüberprüfung der Juniorinnen und Junioren A in München-Oberschleißheim wurden für Sachsens Ruderinnen und Ruderer zur erhofften Standortbestimmung. Während an der Spitze des Deutschen Ruderverbandes die Favoritensiege von Olympiasieger Oliver Zeidler im Männer-Einer sowie Lene Mührs/Hannah Reif und Paul Klapperich/Theis Hagemeister in den Zweiern ohne die Schlagzeilen bestimmten, ging es für das sächsische Team vor allem darum, sich im U23- und U19-Bereich in Stellung zu bringen.
Gleich zu Beginn wurde deutlich, wie dicht die nationale Spitze beisammen liegt und wie hoch das Niveau der Kleinboot-DM weiterhin ist, die auch 2026 als „Tor zur Nationalmannschaft“ gilt. Cheftrainer Marcus Schwarzrock lobte die intensiven und weitgehend erwartbaren Rennen, bei denen sich am Ende vor allem die physiologisch stärksten Athletinnen und Athleten an der Spitze wiederfanden – ein Umfeld, in dem sich auch die sächsischen Boote bewähren mussten.
U23-Bereich: Zastrow und Sgonina im Fokus
Im Männer-Einer stellte sich Felix Thomas Krones (USV TU Dresden) seiner ersten großen Bewährungsprobe im Seniorenbereich. Der Juniorenweltmeister von 2024 im Doppelvierer und Vizeweltmeister im Beach Sprint musste sich in München im mit 49 Booten am stärksten besetzten Feld des Wochenendes behaupten und belegte am Ende Rang 22, was Platz 12 in der U23-Wertung bedeutete. Für Krones, der 2025 im Junioren-Doppelzweier bereits WM-Bronze errudert hatte, stand diesmal weniger das Ergebnis als vielmehr das Sammeln von Erfahrung im hochklassigen Männerfeld im Vordergrund – ein wichtiger Schritt hinein in sein erstes U23-Jahr.
Im Männer-Zweier ohne der Senioren entwickelte sich – wie im Vorbericht angedeutet – ein dichtes sächsisches Paket. Konstantin Wetzler (Dresdner RC) und Laurenz Knorr (Pirnaer RV) kamen nach solider Regatta auf Rang 27 von 41 Booten und belegten damit Platz 12 in der U23-Wertung. Noch deutlicher meldeten sich allerdings zwei andere sächsische U23-Boote zu Wort: Lino Zastrow (USV TU Dresden) und Julius Kaim (TVK Essen) sowie Carl Sgonina (Dresdner RC) mit Partner Vinzent Kuhn (RV Münster).
Zastrow/Kaim platzierten sich auf einem starken neunten Rang insgesamt und wurden damit Zweite in der U23-Wertung – ein Ergebnis, das ihren Anspruch unterstreicht, wie schon im Vorjahr einen Platz im „kleinen Deutschlandachter“ zu erkämpfen. Zastrow hatte sich bereits bei der Kaderlangstrecke in Leipzig als zweitschnellstes U23-Boot empfohlen, und in München bestätigte das Duo diesen Trend eindrucksvoll.
Sgonina/Kuhn beendeten die Regatta auf Rang 12 von 41 Booten und wurden damit Vierte in der U23-Wertung, womit sie sich eine hervorragende Ausgangslage für die U23-Mannschaftsbildung geschaffen haben. Für Carl Sgonina, der 2024 als Ersatzmann zur U23-WM reiste und 2025 im Vierer bei der U23-EM wertvolle internationale Erfahrung sammelte, ist das Ergebnis ein klares Signal im letzten U23-Jahr und ein deutlicher Schritt in Richtung WM-Nominierung 2026.
Das dritte sächsische U23-Boot, Julius Richard Schüller (ARV zu Leipzig) und Franz Rudolph (Dresdner RC), belegte Rang 20 und damit Platz 8 in der U23-Zweier-Wertung. Nach einem soliden Auftakt verhindert ein Kontakt mit der Bojenkette kurz vor dem Ziel im Halbfinale die Chance auf das C-Finale, doch das Duo zeigte über weite Strecken, dass es vom reinen Bootstempo her näher an den Bereich der Top-18 heranrudern kann.
Seniorinnen: Hory mit überzeugendem Comeback
Im Frauen-Einer meldete sich Victoria Hory (SC DHfK Leipzig) nach einem Jahr, das vor allem vom Coastal Rowing geprägt war, erfolgreich auf der 2.000-Meter-Strecke zurück. Mit einem fünften Platz im Finale bestätigte sie, dass sie auch im klassischen olympischen Bereich weiterhin konkurrenzfähig ist und die Umstellung vom Wellengang auf die Bahn in Oberschleißheim gut meistern konnte.
Juniorinnen A: Mia Laux knüpft an 2025 an
Bei der Leistungsüberprüfung der Juniorinnen A richteten sich viele sächsische Blicke auf Mia Laux (SC DHfK Leipzig). Die Silbermedaillengewinnerin der Deutschen Jahrgangsmeisterschaften 2025 im JF 1x A und Doppelsiegerin beim Baltic Cup zeigte erneut ein starkes Auftreten und belegte im 37-Boote-Feld Rang 9. Nach ihrem 13. Platz bei der Kaderlangstrecke in Leipzig macht Laux damit den nächsten Schritt in Richtung nationaler Spitze und bestätigt, dass sie im Kampf um die EM- und WM-Plätze weiterhin eine ernst zu nehmende Kandidatin ist.
Mit ihrem technisch sauberen Schlag und einer stabilen Renneinteilung legte sie die Basis für die nächste Bewährungsprobe in drei Wochen an gleicher Stelle bei der Internationalen Juniorenregatta in München. Dort wird es darum gehen, sich im direkten Vergleich mit der internationalen Konkurrenz weiter zu profilieren und das in München erarbeitete Selbstvertrauen in zählbare Platzierungen umzusetzen.
Im Juniorinnen-Zweier ohne sammelte Selma Ritter (Dresdner RC) mit Luise Wartmann (SC Magdeburg) erste Erfahrungen im A-Bereich und belegten Rang 16 von 29 Booten. Für Ritter, die 2025 Beach-Sprint-Weltmeisterin im Juniorinnen-Doppelzweier wurde und bei der Kaderlangstrecke in Leipzig mit Platz 7 im Juniorinnen-Zweier für Aufmerksamkeit gesorgt hatte, stand diesmal vor allem das Ankommen in der neuen Altersklasse und das Sammeln von Rennhärte im Vordergrund.
Junioren A: Prüfer setzt Ausrufezeichen
Im Junioren-Einer A brachte vor allem Philipp Prüfer (USV TU Dresden) die sächsischen Fahnen weit nach vorne. Mit Rang 7 im 59-Boote-Feld gewann er das B-Finale und sicherte sich damit eine hervorragende Ausgangsposition für die weitere Saison sowie für die Diskussion um Rollsitze in der Juniorennationalmannschaft. Bereits 2025 hatte Prüfer gemeinsam mit anderen sächsischen Talenten beim Baltic Cup internationale Erfahrung gesammelt, und in München unterstrich er mit einem stabilen Vorlauf, einer souveränen Zwischenrunde und einem starken Finalrennen seinen Anspruch, 2026 auch auf EM- oder WM-Ebene eine Rolle spielen zu wollen.
Moritz Herrmann (Pirnaer RV) und Heinrich Joost (Dresdner RV) landeten im selben Wettbewerb auf den Plätzen 14 und 15 und damit eng beieinander im Mittelfeld. Beide knüpfen damit an solide Leistungen aus dem Vorjahr an und haben in München eine Basis gelegt, auf der in den kommenden Wochen – insbesondere bei der Internationalen Juniorenregatta – weiter aufgebaut werden kann, um sich für Mittel- und Großbootprojekte zu empfehlen.
Im Junioren-Zweier ohne verpassten Bruno Büttner (Dresdner RC) und Leonard Rothe (ARV zu Leipzig) nach einem starken Auftritt im Vorlauf den Sprung unter die Top-18 um weniger als drei Zehntelsekunden. Im D-Finale ließen sie ihrem Frust freien Lauf, siegten souverän und belegten in der Endabrechnung Rang 19 von 43 Booten, womit sie gezeigt haben, dass sie an guten Tagen in Reichweite der nationalen Spitze rudern können.
Zwischenfazit und Ausblick
Auch wenn es nur eine A-Finalteilnahme durch Victoria Hory im Leichtgewichts-Einer gab, sind die starken Ergebnisse in den B-Finals hoch einzuschätzen für die anstehenden Mannschaftsbildungen. Insbesondere Lino Zastrow und Carl Sgonina haben sich mit ihren Leistungen in aussichtsreiche Positionen für den U23-Deutschlandachter gebracht.
Im Juniorenbereich haben vor allem Mia Laux und Philipp Prüfer mit ihren Platzierungen unter den besten Zehn ihre Ambitionen unterstrichen, während Herrmann, Joost, Büttner/Rothe sowie Wartmann/Ritter wertvolle Erfahrungen gesammelt und ihre Ausgangsposition gegenüber der Kaderlangstrecke stabilisiert haben.
Die Regatta war keine endgültige WM-Entscheidung, aber ein klarer Filter im Kampf um die begrenzten Plätze im Nationalteam. Schon in wenigen Wochen bietet die Internationale Juniorenregatta an gleicher Stelle in München die nächste Gelegenheit, die gewonnenen Erkenntnisse in Ergebnisse umzumünzen und die Weichen weiter Richtung Junioren-EM und JWM zu stellen.
Bilder: meinruderbild.de/Seyb

