Erfolgreiche Hitzeschlacht bei der DJM

Mit einer eindrucksvollen Gesamtleistung haben sich die sächsischen Vereine bei den Deutschen Juniorenmeisterschaften sowie den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften U17 und U23 vom 25. bis 28. Juni 2026 auf dem Elfrather See in Krefeld präsentiert. Insgesamt 30 Ruderinnen und Ruderer aus sächsischen Vereinen gingen an den Start, erreichten 28 Finalteilnahmen und gewannen 15 Medaillen – viermal Gold, sechsmal Silber und fünfmal Bronze.

Die Titelkämpfe standen in diesem Jahr unter besonderen Vorzeichen. Ursprünglich sollte die Regatta auf dem Baldeneysee in Essen stattfinden, musste aber wegen des außergewöhnlich starken Wasserpflanzenwuchses kurzfristig nach Krefeld verlegt werden. Der Deutsche Ruderverband entschied gemeinsam mit dem ausrichtenden Essener Ruder-Regattaverein die Verlegung an den Elfrather See. Organisatorisch blieb der ERRV in enger Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen vor Ort federführend. Dazu kamen extreme Witterungsbedingungen: Während vielerorts Temperaturrekorde gebrochen wurden, kletterte auch Krefeld das Thermometer auf über 39 Grad, was Athletinnen, Athleten, Trainerteams, Helferinnen und Helfer vor enorme Herausforderungen stellte.

Um die gesundheitliche Belastung zu senken und gleichzeitig einen fairen Wettkampfablauf zu gewährleisten, passte der DRV den Wettkampfmodus kurzfristig an. Statt des gewohnten deutschen Systems wurde das internationale Ausscheidungssystem übernommen: Die jeweils ersten beiden Boote eines Laufes qualifizierten sich direkt für die nächste Runde, weitere Plätze wurden über die schnellsten Zeiten vergeben, Hoffnungsläufe entfielen vollständig. Dadurch wurde bereits in den Vorläufen um jede Sekunde gekämpft – und selbst Boote auf hinteren Laufplatzierungen konnten sich noch über ihre Zeit für die nächste Runde qualifizieren. Das sorgte vom ersten Start an für außergewöhnlich spannende Rennen.

Unter diesen schwierigen Bedingungen verdiente auch das Organisationsteam große Anerkennung. Die kurzfristige Verlegung, die mehrfachen Zeitplananpassungen und das konsequente Hitzemanagement verlangten allen Beteiligten Höchstleistungen ab. Dass dennoch ein sportlich hochwertiges Meisterschaftswochenende gelang, ist ein großes Verdienst des Essener Ruder-Regattavereins und aller helfenden Hände in Krefeld.

Emma Mehner mit doppeltem Gold im U23-Bereich

Zu den herausragenden sächsischen Athletinnen zählte Emma Mehner vom Dresdner Ruder-Club. Die Steuerfrau, die inzwischen an der SMU in Dallas, Texas studiert, gewann im U23-Bereich gleich zweimal Gold: im gesteuerten Frauenvierer sowie im Frauenachter.

Die nur 1,55 Meter große Dresdnerin gehört seit Jahren zu den auffälligsten Steuerfrauen ihres Jahrgangs. Bereits im Juniorinnenbereich sammelte sie internationale Erfolge, und in den USA hat sie ihr Steuerhandwerk noch einmal verbessert. Rückblickend freut sich Emma besonders über die Goldmedaillen, aber auch der Weg dahin bedeutet ihr viel: „Es ist immer etwas Besonderes, mit unterschiedlichen Athletinnen zusammenzukommen und innerhalb kurzer Zeit als Mannschaft zusammenzuwachsen. Es ist sehr schön zu sehen, wie gut wir als Team harmoniert haben.“

Das Highlight kam erst am Ende der Regatta, als die Nominierungen für die U23 WM bekanntgegeben wurden. Emma darf bei der Heim-WM, die vom 22.-26. Juli in Duisburg stattfinden wird, den Frauenachter steuern.

Tom Olbrich im Doppelzweier nicht zu schlagen

Ebenfalls besonders erfolgreich war Tom Olbrich vom Dresdner Ruderverein. Gemeinsam mit Christian Aethner von der Halleschen Rudervereinigung Böllberg und Nelson gewann er Gold im U23-Doppelzweier. Die beiden wurden somit ihrer Favoritenrolle gerecht, die sie spätestens seit ihren beiden Siegen bei der Internationalen Ruderregatta in Ratzeburg Anfang Juni innehatten. Für die von Olympiasieger Tim Grohmann betreute Crew heißt der nächste Stopp U23-Weltmeisterschaften in Duisburg.

Bemerkenswert ist dabei auch die sportliche Entwicklung von Tom Olbrich. Vor zwei Jahren war er als Riemer im Vierer bereits Teil der U23-WM und erreichte in St. Catharines Rang fünf; nun ist er erfolgreich im Skullbereich unterwegs.

Zusätzlich gewann Olbrich mit seinem Team Silber im U23-Doppelvierer. Bronze in dieser Bootsklasse ging an eine Kombination mit Lukas Haaser vom Laubegaster Ruderverein Dresden und Felix Krones vom USV TU Dresden. Haaser sicherte sich darüber hinaus Bronze im U23-Doppelzweier mit Paavo Schewe vom ORC Rostock – denkbar knapp mit nur 0,08 Sekunden Vorsprung auf Rang vier.

Im Männer-Riemenbereich setzte Lino Zastrow vom USV TU Dresden starke Akzente. Er gewann gleich zweimal Silber – im Vierer ohne Steuermann sowie im Achter. Nachdem er im vergangenen Jahr bereits Bronze im Achter bei der U23-Weltmeisterschaft geholt hatte und sich in den diesjährigen Ranglisten mit Platz zwei und Platz vier stark positionierte, stehen die Chancen gut, dass der Dresdner auch 2026 wieder international zum Aufgebot gehören wird.

U17-Titel für Krisch und Röhner

Für das vierte sächsische Gold sorgten Tim Krisch vom Laubegaster Ruderverein Dresden und Quinn Röhner vom USV TU Dresden im U17-Doppelzweier. Das Duo aus der Trainingsgruppe von Raphael Gebauer zeigte im Finale eindrucksvoll seine Klasse. Bei der 1000-Meter-Marke lag das Boot noch auf Rang drei und hatte 2,15 Sekunden Rückstand. Im Endspurt drehten beide jedoch eindrucksvoll auf und sicherten sich den deutschen Meistertitel noch mit 2,47 Sekunden Vorsprung.

Trainer Raphael Gebauer bilanzierte: „Die Leistungen waren über die gesamte Saison sehr konstant. Mit den internationalen Juniorenregatten in München und Hamburg haben sie sich stark präsentiert und nun ihre Saison mit dem deutschen Meistertitel gekrönt. Der Druck, der mit der Favoritenrolle einherging, war nicht zu unterschätzen. Sie haben sich im Finale über die Strecke immer weiter gesteigert und am Ende den Hammer ausgepackt.“

Auch die äußeren Bedingungen hob Gebauer hervor: „Die beiden waren das ganze Wochenende sehr fokussiert und konzentriert und haben sich auch durch die äußeren Umstände – geänderter Qualimodus, mehrfache Zeitplanänderungen – nicht aus der Ruhe bringen lassen.“ Mit ihrem Erfolg qualifizierten sich beide für den Open Baltic Cup im Doppelzweier, bei dem sie vom 25. bis 27. September im Aidu Water Sports Center in Estland ihren ersten internationalen Start für die deutsche Nationalmannschaft absolvieren werden.

Auch U19 mit starken sächsischen Akzenten

Im U19-Bereich trugen weitere sächsische Talente maßgeblich zur starken Gesamtbilanz des LRV Sachsen bei. Selma Ritter vom Dresdner Ruder-Club gewann Silber im Juniorinnen-Achter und Bronze im Vierer mit dem Nordost-Team. Vor allem das Achterfinale entwickelte sich zu einem hochklassigen Zweikampf um Gold, während das restliche Feld deutlich mit rund acht Sekunden Abstand distanziert wurde.

Ebenfalls Silber holte Mia Laux vom SC DHfK Leipzig im Doppelvierer. Bronze gab es zudem für den Nordostachter mit Leonard Rothe vom ARV Leipzig und Bruno Büttner vom Dresdner Ruder-Club. Auch diese Ergebnisse belegen eindrucksvoll die Breite und Qualität des sächsischen Nachwuchsruderns.

Gerade unter den außergewöhnlichen Rahmenbedingungen mit Verlegung, extremer Hitze und geändertem Qualifikationssystem haben die Athletinnen und Athleten des LRV Sachsen sportlich wie mental überzeugt.

Bilder: rudern.de/Seyb

Bilder vom JM 2x B (letzten beiden Bilder): Felix Haaser

Auf Sporteurope.tv gibt es die Regatta auch zum Review

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