Ostergedanken – Quo vadis Rudersport

Ostergedanken – Quo vadis Rudersport

Das Osterfest ist eine Zeit des Endes und der Auferstehung im christlichen wie im vorchristlichen Sinne. Keiner konnte Gefühle dieser Zeit besser formulieren als der berühmte Dichterfürst in seinem Osterspaziergang: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche …..“  – einem Sujet, das insbesondere zu normalen Zeiten im Rudersport nachhaltige Bedeutung erlangt.

Es ist die Zeit der Anruderfeste, die Zeit des ersten Befahrens von Flüssen und Seen nach den dunklen Winterabenden in den Krafträumen und die Zeit des frischen Geruchs nach Frühling auf den Gewässern unseres Landes. Es ist auch eine Zeit, an dem die jungen und nicht mehr ganz jungen Talente aus der Enge der Turnhallen und Ruderbecken in die ersten Wettkämpfe einsteigen und das Kräftemessen auf den Wellen der Ruderreviere beginnt.

In diesem Jahr ist alles anders. Man könnte meinen, die Dunkelheit in den Ruderseelen mag gar nicht vergehen. Nichts von gewohnt befreiendem Luftholen in den Booten ist zu spüren. Stattdessen Einschränkungen und Verbote, Absage von Ruderwettkämpfen und Langstreckenregatten, indifferente Aussichten auf eine möglicherweise wieder zerberstende Rudersaison. Das Verständnis für Maßnahmen im Kampf gegen das immer noch dominierende Corona-Virus nimmt gesamtgesellschaftlich immer mehr ab – vernünftige Alternativen aus internationalen Erfahrungen stehen in Deutschland leider noch immer nicht im Fokus des Regierungshandelns.

Und trotzdem: Wenn man es mit optimistischem Auge betrachtet, so dürfen wir als sächsisches Rudervolk sehr stolz darauf sein, was wir aus der nun schon Monate währenden Situation gemacht haben. Wir haben es geschafft, den übergroßen Anteil insbesondere der jungen Ruderer an uns zu binden. Auf Ebene des LRVS haben wir fast keine Mitgliederfluktuation zu verzeichnen. Das ist ein tolles Ergebnis der Trainer und Übungsleiter, die es vermocht haben, mit alternativen Motivationsformen wie Online-Training und Digital-Challenges insbesondere unsere jungen Ruderkameraden an unseren Sport zu binden. 

Im Leistungssport ist es gelungen, durch Ausleihe von Trainingsgeräten an die Bundes- und Landeskader das Leistungssportniveau zu halten oder gar deutschlandweit mitzubestimmen. Die jüngsten Erfolge bei den digitalen Deutschen-Ergo-Meisterschaften sprechen da eine ganz eigene Sprache. Mit Blick auf die leistungssportliche Verantwortung ist es auch den Verbänden wie DOSB und LSB gelungen, an den Leistungssportstützpunkten ein Präsenztraining aufrecht zu erhalten. Damit haben wir zumindest Minimalvoraussetzungen für eine Teilnahme der Nationalmannschaftskader an den olympischen Spielen in Tokio und möglicherweise anstehenden Welt- und Europameisterschaften geschaffen. An der Stelle gebührt sowohl den Bundesstützpunkt- und Landes- und Stützpunktrainern in Sachsen sowie allen Aktiven eine großes Dankeschön. So sieht professionelle Leistungssportarbeit aus.

Und so bleibt der Optimismus spendende Blick auf das vor uns Liegende: „……sieh nur, sieh, wie behend` sich die Menge durch die Gärten und Felder zerschlägt, wie der Fluss in Breit und Länge so manchen lustigen Nachen bewegt, und, bis zum Sinken überladen, entfernt sich dieser letzte Kahn“.

In diesem Sinne wünscht der Vorstand des Landesruderverbandes Sachsen allen ein frohes Osterfest

Holger Hoffmann