Am (verlangsamten) Puls der Zeit

Am (verlangsamten) Puls der Zeit

Am (verlangsamten) Puls der Zeit – Der aktuelle Blick auf das Rudergeschehen aus Vorstandssicht

Seit nunmehr fast 3 Wochen ist das wirtschaftliche, gesellschaftlich und sportliche Leben in Deutschland und mithin in Sachsen fast vollständig zum Erliegen gekommen.

Wir wissen, dass in der Rudergemeinde in Sachsen die Themen wie wirtschaftliches Überleben, Sorge um gesundheitliche Unversehrtheit von Familie und Freunden wie auch Umgang mit der zunehmend mental belastenden Kontaktbeschränkung im Vordergrund stehen. Trotzdem möchten wir Euch über Entwicklungen und Tendenzen im Rudersport in Deutschland und in Sachsen informiert halten.

Denn eines ist gewiss: Es gibt eine Zeit nach Corona – und darauf sollten wir vorbereitet sein!

Ein Blick in die internationale Sportwelt zeigt, dass die Durchführung von großen Sportevents in diesem Jahr schwer vorstellbar ist. Klar ist mittlerweile, dass die Olympiade in Tokio in „copy & paste“-Manier auf 2021 verschoben ist. Die Fußball-Europameisterschaft „Quer durch Europa“ hat das gleiche Schicksal ereilt.

Wie steht es mit den Ruderevents im Jahr 2020? Nun, eine Verschiebung oder gar Absage der internationalen Regatten durch die FISA ist seit letztem Donnerstag beschlossen. Vermutlich werden die U19-/U23/NOB-WM in Bled/SLO um ein Jahr verschoben. Dies gilt ebenso wie die EM in Poznan und die U23-EM in Duisburg und das World – Masters-Event in Linz Anfang September.

In der deutschen Ruderwelt sieht es ähnlich aus. Flächendeckende Absagen aller Ruderveranstaltungen bis Ende August haben wohl alle Teilnehmer am Regattageschehen mittlerweile über die Ländervorsitzenden oder andere Gremien erhalten. Eine komplette Aussetzung des Wettkampfkalenders bis zum Ende der Sommerferien in Deutschland gab es so bisher noch nicht. Analog zur Wettkampfpause werden internationale, bundesweite und lokale Wanderfahrten des DRV und der Vereine abgesagt.

Auch in Sachsen und in unserem unmittelbaren Umkreis in Sachsen-Anhalt/Thüringen/Brandenburg und Berlin ist die Situation die gleiche.

Mit dieser Situation gehen alle Sportler, Trainer, Übungsleiter und Funktionäre sehr engagiert, sensibel und zukunftsorientiert um. Wichtig ist dabei auch, dass sowohl der Landessportbund Sachsen als auch der Sportversicherer, die ARAG Versicherung fest zu unserem Sport stehen.

Das angeordnete Heimtraining für unsere Kaderathleten ist bis vorerst 20.04. gültig. Parallel zu anderen Sportarten wird tagesaktuell geprüft, inwieweit Anpassungen möglich sind. Am 17.04. wird der Trainerrat des DRV über die Wiederaufnahme des Trainings an den Stützpunkten entscheiden. Unterdessen wurden alle Stützpunktkader in Sachsen mit Ruderergometern versorgt, die diese im Heimtraining nutzen können. Individuelle Trainingspläne unterstützen beim Formaufbau und – erhalt. Ebenso kreative Wege gehen die Ruderkamerade*innen in den Vereinen. Einige Beispiele dazu: Im Akademischen RV zu Leipzig werden Webkonferenzen in den Trainingsgruppen zum Austausch abgehalten, um dann gemeinsam Trainingsprogramme zu absolvieren. Der Pirnaer Ruderverein 1872 e. V. hat seine Anleitungen zum Krafttraining in Videos auf Instagram und YouTube hochgeladen.

In den Vorständen und Gremien des deutschen Rudersportes wird konstruktiv an Alternativen zu den abgesagten und verschobenen Wettkämpfen gearbeitet. Dies geschieht in enger Abstimmung mit den Gremien der FISA. Hierbei gilt es bei Verlegungsalternativen in den Herbst 2020 einen machbaren Terminkalender zu erstellen. Dabei spielen auch Überlegungen zu verkürzten Streckenlängen und angepassten Wettkampfmodi eine Rolle, um dem Vorbereitungsstand der Athleten Rechnung zu tragen.

Insgesamt bleibt per heute zu konstatieren:

So sehr uns die Corona – Krise auch einschränkt, sie gebärt in jedem Falle auch neue Ansätze und Methoden in der Kommunikation und Gestaltung von Trainingseinheiten und Wettkampfformen. Corona stellt die weltweite Rudergemeinschaft vor große Herausforderungen. Wie es den Ruderern eigen ist, werden diese engagiert, kreativ und zielorientiert angegangen. Das lässt durchaus Freude auf die Zeit nach der Corona-Pandemie zu.

Und vielleicht wird ja unsere Landesmeisterschaft im September die erste Regatta in der Nach-Corona-Ära. Dieser Re-Start in das sächsische Wettkampfgeschehen kann durchaus eine schöne Wiedersehensparty für alle Ruderer unseres Landes werden.



Holger Hoffmann
Wettkampfrichter / Regattawesen
Landesruderverband Sachsen e.V.