Reise nach Oklahoma

Reise nach Oklahoma

Tag3

Die kommende Saison, so hört man sehr oft, wird lang und hart werden und so kam es uns sehr gelegen als Trainingsauftakt der Olympiavorbereitung einen Ausflug nach Oklahoma City zu machen. Die Einladung für den Männer- und Frauen-Doppelvierer kam schon im Juli und ohne großes Zögern haben wir zugesagt, auch wenn wir überhaupt nicht wussten, was uns erwarten würde.

Das lag allerdings weniger daran, dass noch zwei Monate Zeit waren, sondern wohl eher daran, dass überhaupt keine Informationen zu uns vorgedrungen sind.

Denn selbst als wir am Dienstag, den 27.09. auf dem Flughafen von Oklahoma City angekommen sind, wusste keiner so richtig, wie es weitergehen sollte. Die Leute, die uns abholen sollten, waren auch nicht zu sehen. Nach einiger Wartezeit wurden wir schließlich doch eingesammelt und bekamen erste Informationen, denn die Fahrerin unseres Vans schwärmte von der „riesigen“ Stadt und von den 35.000 Zuschauern die kommen sollten- das klang schon beeindruckend!

Am Abend bekam dann jeder von uns 20 Dollar in die Hand gedrückt und wir durften uns was zu essen kaufen und ein vernünftiges Restaurant zu finden war gar nicht mal so einfach.

Unser erster Tag war geprägt vom Staunen über ein sehr modernes und top ausgestattetes Bootshaus mit mehreren Bootshallen, einem Ruderkasten mit Strömungsanlage, einer Gegenstromanlage zum Schwimmen, einem riesigen Ergoraum, zwei Krafträumen und einer Höhenkammer und vom Einstellen der Boote für die Rennen.

Nach dem Mittagessen, einem leckeren Sandwich, Chips, einem Cookie und einem Bonbon, was es von nun an jeden Tag geben sollte, haben wir dann unsere erste Einheit absolviert. Obwohl wir nur 12km rudern konnten, weil wir so einen straffen Zeitplan hatten, war es bei deutlich über 30 °C schon gut anstrengend. Im Anschluss sind wir dann ins Hotel gefahren und haben eingecheckt. Die Zimmer waren spitze, auch wenn unser Kamin anfangs noch nicht funktionieren wollte und es auch für unseren Trainer Markus Schwarzrock ein Novum gab: nach 23 Jahren musste er zum ersten Mal wieder mit Sportlern das Zimmer teilen…

Am Abend waren wir zum Essen beim Gouverneur eingeladen und nachdem wir uns den ganzen Tag Gedanken gemacht haben, was wir anziehen könnten, haben wir uns letztlich für Nationalmannschafts- Shirts  entschieden und waren damit sehr gut gekleidet.

Der Donnerstag verlief anfangs unspektakulär. Am Morgen waren wir fleißig auf dem Wasser und nachmittags haben wir die Geschäfte des Outletcenters erkundet. Abends fand die Eröffnungsfeier des Regatta-Festivals statt. Mit den anderen geladenen Nationen aus Kanada und Italien durften wir dann einmarschieren und den Abend gemütlich bei Gesprächen mit sehr freundlichen und offenen Amerikanern ausklingen lassen. Dabei erfuhren wir auch einiges über die Zukunftspläne der Investoren der Regattastrecke und sind aus dem Staunen oder Kopfschütteln nicht mehr rausgekommen. Die Atmosphäre war sehr angenehm und an die Rennen am nächsten Morgen dachte noch niemand.

Doch der Abend konnte nicht ewig dauern und so mussten Anne und ich die Regatta im Einer eröffnen. Annekatrin Thiele konnte deutlich vor Italien gewinnen und ich musste mich mit einem 3. Platz zufriedengeben. Die Doppelzweier mit Stephan Krüger und Lauritz Schoof sowie Tina Manker und Carina Bär konnten die Rennen souveräner gestalten und beide gewinnen. Ernüchternd war allerdings, dass die Rennen vor leeren Rängen stattfanden und von 35.000 Zuschauern war weit und breit nix zu sehen.

Nachmittags konnten wir dann auch noch beide Doppelvierer gewinnen. Nachtsprint über 500m sollte am Abend auch noch stattfinden und mittlerweile hatten sich sogar einige Zuschauer zur Strecke verirrt und es war relativ viel los. Es standen Sprints im Zweier und Einer auf dem Programm, bei denen Karl Schulze und Philipp Wende sowie Julia Richter und Annekatrin Thiele im Zweier und Stephan Krüger und Stephanie Schiller im Einer an den Start gegangen sind. Stephan hat sich leider noch von einem Amerikander auf den letzten Metern abfangen lassen, aber die anderen drei Boote siegten souverän. Den Abend konnten wir dann im Bootshaus ausklingen lassen.

Der Samstag verlief wieder ganz ähnlich. Vormittags im Einer und Zweier über die 2000 m in denselben Besetzungen mit nahezu den gleichen Ergebnissen, der Nachmittag war frei und wir haben die ganze Zeit auf dem Basketballplatz und am Pool des Hotels verbracht. Am Abend ging es dann in die Spezialklasse und beide Vierer mussten im Sprint an den Start. Beide konnten deutlich gewinnen und das ganz ohne Krebs! Der Jubel der Zuschauer hielt sich allerdings in Grenzen, denn die 35.000 hatten sich auch am Samstag nicht blicken lassen und es waren noch deutlich weniger als am Freitag, aber nichtsdestotrotz haben die Rennen sehr viel Spaß gemacht und am selben Abend fand dann auch noch die Siegerehrung statt.

Der sportliche Teil war also mit dem Samstag abgeschlossen und nun sollte der kulturelle Teil folgen, aber dieser gestaltete sich in Oklahoma als eher schwierig. In der Stadt konnten wir uns das National Memorial zum Gedenken an den Bombenanschlag im April 1995 anschauen. Landschaftlich war die Gegend im Umland auch nicht sehr reizvoll, außer man interessiert sich für Grasland und Autobahnen. 350 km fahren, um einen Nationalpark anzuschauen, wollten wir dann nicht. Also verbrachten wir noch einige Zeit an der Strecke und dann konnten wir das tolle Wetter wieder am Pool genießen.

Alles in Allem war es ein sehr schöner Ausflug in die Staaten und eine gute Regatta, die sehr viel Spaß gemacht hat. Das Wetter war jeden Tag spitze und wir haben in der ganzen Zeit nicht eine einzige Wolke sehen können.

Schade war, dass man sich nichts so richtig anschauen konnte, aber das ist im Mittleren Westen der USA wohl keine Seltenheit.

Mit diesem Saisonstart läuten wir die kommende, hoffentlich erfolgreiche Zeit voller Zuversicht ein!

Tim Grohmann